09.07.17

the script

London ist bekanntermaßen nicht besonders günstig, daher wohnt man ohne immensen finanziellen Background normalerweise nicht allein sondern wie in seinen ärmsten Studentenjahren in Wohngemeinschaftem, um die horrenden Mieten zumindest ein bisschen reduzieren zu können.

Ich wohne hier in einem ganz typischen kleinen Klinkerhäuschen mit Vorgarten und Ground Floor Flat sowie Top Floor Flat. In der Ground Floor Flat wohnt eine spanische Familie mit zwei Kindern (die aber durch die Pappmaché-Wände eher klingen wie sechs). Die Top Floor Flat bewohne ich zusammen mit drei Mitbewohnern. Einer davon ist Zorni und die anderen beiden sind Rebecca und Randy.

Rebecca und Randy (von uns zumeist nur R'n'R genannt) sind ein Paar, die ein Zimmer unter dem Dach bewohnen welches ungelogen kaum größer ist als ein britisches Doppelbett. Mal ganz abgesehen davon, dass man in diesem Zimmer nicht viel machen kann, außer einmal auf Zehenspitzen ums Bett herumzulaufen, sind die beiden auch noch mit einer Dachschräge gestraft. Dieses "Zimmer" kann man also auch als eine Art Beziehungsprobe sehen, denn auf ungefähr 4,5qm geht man sich definitiv schnell auf den Sack.

Laut Randy hausen die beiden in diesem Loch nun schon seit drei Jahren glücklich miteinander, ob das stimmt, weiß ich nicht, immerhin sind Zorni und ich erst im Mai dazugezogen. Seit wir hier wohnen, machen die beiden zumindest die meiste Zeit über einen relativ harmonischen Eindruck.
Da A. und ich uns auch mal ein knappes Jahr ein 8qm Zimmer geteilt haben, weiß ich, wie es ist, auf engstem Raum miteinander zu leben. Bei uns hat das sehr gut funktioniert, aber ich bin mir des Konfliktpotenzials trotzdem bewusst.

Jedes Mal wenn die beiden die Treppe zu ihrem Dachboden hochstapfen, schaue ich also mit einer Mischung aus Faszination und Respekt hinterher und frage mich, ob die sie eigentlich glücklich sind oder es eventuell doch in Betracht ziehen, irgendwann als Paar mal die eigenen vier Wände zu beziehen.

Gestern war es hier wieder unerträglich heiß, das Thermometer kletterte auf 31 Grad und brachte unser kleines Klinkerhäuschen ganz schön ins Schwitzen. Da es in der Wohnung irgendwann unerträglich wird, ist es für Zorni und mich zur Routine geworden, abends lange Spaziergänge zu unternehmen, um ein bisschen abgekühlte Abendluft zu schnuppern bevor es dann wieder in den Brutkasten geht. Nach dem Essen haben wir uns verabredet, um 20.10 Uhr wollen wir das Haus verlassen.

Ich bin schon etwas früher fertig und sitze auf dem Treppenabsatz, wo ich auf Zorni warte. Plötzlich dringt lautes Geschrei aus der Dachkammer zu mir herunter und ich schnappe einzelne Satzfetzen auf, die nicht gerade auf ein harmonisches Miteinander schließen lassen. Er redet unaufhörlich auf sie ein und lässt sie nicht zu Wort kommen. Als er endlich mal verstummt brüllt sie mit zitternder Stimme und fleht ihn an, er solle sie doch verstehen und nicht mit alledem allein lassen. Mal ganz abgesehen davon, dass ich gar nicht wissen will, womit sich Rebecca allein gelassen fühlt, bin ich auch nicht gerade erpicht auf andere Details dieser lauten Konversation. Mir läuft trotz der Hitze ein kalter Schauer über den Rücken und ich frage mich, wann Zorni endlich kommt.

Zwei Minuten voller Gepolter und Geschrei später steht Zorni endlich neben mir und ich bedeute ihm, dass wir schnellstmöglich losgehen sollten. Auch ihm ist nicht entgangen, dass es bei uns in der Wohnung etwas lauter war als normalerweise. Wir spazieren ein paar Kilometer durch unsere lauschige Nachbarschaft und gehen auf dem Rückweg über die kleine Eisenbahnbrücke hinter unserem Haus. Dort verharren wir noch ein paar Minuten und beobachten die Bahnen, die sich wie Feuerdrachen durch die Dunkelheit schlängeln.

Kurz bevor wir aufbrechen fallen unsere Blicke auf unser Häuschen und wir erkennen, dass noch Licht im Dachgeschoss brennt. "Stell dir vor, wir sehen jetzt plötzlich zwei Lichtblitze im Fenster und hören den dazugehörigen Knall", sagt Zorni, während wir beide auf das kleine glühende Kästchen im dunklen Nachthimmel starren. Ich weiß gar nicht, was ich dazu sagen soll und wir gehen einfach schweigend nach Hause. Als ich im Bett liege, denke ich darüber nach, dass man ja im Grunde genommen mit Fremden zusammenwohnt und nicht weiß, wie die wirklich ticken. Entschieden schüttele ich meinen Kopf und wische diese absurden Gedanken beiseite, die Zornis Kommentar mir eingepflanzt hat.

Am nächsten Morgen muss ich früh raus und mache mich gegen 8.15 Uhr auf den Weg zur Arbeit. Als ich in der Mittagspause auf mein Handy schaue, sehe ich, dass ich eine Nachricht von Zorni habe.
Es ist ein Photo von unzähligen A4 Seiten mit Dialogen, die auf dem Wohnzimmertisch verteilt liegen.

Habe ich erwähnt, dass unsere Mitbewohner Schauspieler sind?


09.06.17

the grocery list





Früher, als ich meine BAföG-Anträge ausfüllte, habe ich in der Zeile "Bargeld" immer 0,00€ eingetragen. Das war niemals so richtig gelogen, aber auch nie so richtig wahr. Es ist nicht so, dass ich lauter 100€ Euro Scheine in der Wohnung rumfliegen hatte, aber so 30€ hatte ich meistens doch noch über (ca 20€ davon im Portemonnaie, die restlichen 10€ in lästigem Kleingeld in diversen Hosentaschen und Schubladen, ihr kennt das).

Müsste ich diesen Antrag erneut ausfüllen, könnte ich in der betreffenden Zeile gerade ohne schlechtes Gewissen die 0 platzieren - so nah wie jetzt war ich wohl noch nie am Nichtshaben im Geldbeutel. Ganze 57 Pence Bargeld konnte ich vorhin zusammenkratzen, auf meinem Konto sieht es nicht unbedingt besser aus. Wenn ich in Berlin so nah an der 0 war, habe ich die Pfandflaschen der letzten Monate in der Wohnung zusammengesammelt und bin mit einer Ikeatüte zu Kaisers gelaufen. Ist jetzt nicht so, dass man von einer Transporttasche voller Flaschen reich wird, aber man kann sich doch immerhin ein paar sättigende (nicht zwingend nahrhafte) Lebensmittel davon kaufen.

In England gibt es keinen Pfand. Und günstig einkaufen ist hier auch eher...nunja, schwierig. Oder zumindest umständlich.
 
Wenn man hier im Urlaub ist, fällt einem natürlich auf, dass London nicht unbedingt sehr preiswert ist, man denkt aber nicht unnötig lange darüber nach, wenn man eine Packung Humus für 1,90£ aufs Band legt. Auch die dazugehörige Packung Crumpets für 1£ wandert wie selbstverständlich dazu. Wenn man im Urlaub ist, spielt der Preis nicht so eine große Rolle. „Ist jetzt nicht gerade günstig“, denkt man vielleicht, aber zahlt trotzdem. Ist schließlich Urlaub und man gönnt sich ja sonst nichts. Eine halbe Stunde später kauft man noch ein lausiges Sandwich für 5£ bei Pret a Manger.
Oh und da noch Nüsse am Straßenrand und ein paar Makis on the go von Wasabi. Auf dem Heimweg benetzt man die trockene Kehle mit einem Pint für 6£ und ist so schnell mal bei 20£ und mehr am Tag für ein paar Lebensmittel, die am Ende des Tages aber nicht mal vollständig satt machen.


Wenn man hier lebt und kein überdurchschnittliches Einkommen hat, muss man schon ein bisschen mehr mit dem zur Verfügung stehenden Geld haushalten.


 Für arme Schlucker wie mich gibt es hier in London auch Aldi und Lidl, bedauerlicherweise befinden sich in der Nähe meiner Wohnung aber nur Budgens und Iceland. Neben Budgens ist Iceland ein wahres Schnäppchenparadies, verglichen mit Aldi ist aber selbst Iceland noch eher ein Rewe oder Edeka. Immerhin - ich bin nicht völlig aufgeschmissen - ein nur 45-minütiger Fußmarsch trennt mich vom nächsten Aldi. Es gibt auch einen Bus, der von mir bis zu Aldi durchfährt, elf Stationen lang ist die Fahrt und kostet 1,50£. Das sind drei Packungen Humus der Hausmarke, also laufe ich.


Das Schicksal des am Rande des Existenzminimum lebenden Künstlers teile ich mit meinem Mitbewohner, also sind wir beide darauf bedacht, im Supermarkt keine finanziellen Eskapaden zu betreiben.


Bevor wir loslaufen, essen wir noch eine Kleinigkeit - ein nicht zu vernachlässigender Aspekt wenn man sparsam einkaufen gehen möchte. Im Schnäppchenland angekommen müssen wir uns auf die Sachen besinnen, die wir wirklich brauchen. „Fünf Salatköpfe zum Preis von einem sind nur dann sinnvoll, wenn wir die kommenden 48 Stunden wie Kaninchen leben wollen!“, sage ich, als wir vorm Gemüseregal stehen und Zorni den Korb vollschaufelt. Er kuckt etwas zerknittert, stimmt mir aber zu und legt die Köpfe zurück während ich entschieden nach der Menge greife, die wir auch wirklich aufbrauchen können und wollen (ihr kennt das – man hat Hunger und will sich was zu essen machen, aber der Vorratsschrank gibt nur das her, was man bereits die letzten vier Tage aß und nicht mehr sehen kann). Außerdem sind wir beide innige Fans von Kohlenhydraten und könnten selbst wenn wir wollten, nicht einfach nur Salat essen.

Wir ziehen also bedacht weiter durch die Gänge des Discounters und packen gewissenhaft den Wagen voll. Am Ende landen natürlich trotzdem ein paar Dinge im Korb, die wir eigentlich nicht brauchen. Als wir den Inhalt des Wagens auf das Laufband verfrachten, stockt mir kurz der Atem, Türme von Lebensmitteln stapeln sich und ich frage mich, wie es so weit kommen konnte. Während der freundliche Kassierer in gewohnt langsamer britischer Manier alles abscannt und bei jedem einzelnen Artikel den Barcode erst suchen muss, hoffe ich inständig auf eine Zahl, die meine Kreditkarte noch zu tilgen bereit ist. Wir haben Glück – drei prall gefüllte Beutel mit Lebensmitteln, die wenigstens die kommende Woche reichen sollten, kosten uns knapp 30£.

Zufrieden aber ächzend unter der Last der schweren Tüten stapfen wir aus dem Supermarkt ins Freie und machen uns auf den Weg zur Bushaltestelle. Zur Feier des Tages gönnen wir uns die Busfahrt zurück.





 

14.05.17

the visit


13.5.2017;


Nach zwei Tagen und zwei Nächten wird es Zeit, mein Berliner Zuhause und somit A. erneut zu verlassen, es ist Samstagnachmittag und ich gehe sehr pünktlich los, ich brauche jetzt auch nicht mehr so lange nach unten, da ich ja nur noch einen kleinen Handgepäckkoffer bei mir habe und keine 40kg Gepäck. Als ich unten ankomme sehe ich, wie die ältere Dame aus dem Hochparterre versucht, mit ihrem Rollator die Eingangstür aufzubekommen. Ich eile ihr zu Hilfe und halte die Tür auf, bis sie es nach draußen geschafft hat. Das dauert leider so lange, dass ich meine U Bahn verpasse. Glücklicherweise dauert es nur weitere vier Minuten, bis die nächste U7 einfährt und ich mich auf den Weg nach Rudow machen kann. In der Bahn schaue ich nochmal nach, wann ich mit dieser Verbindung am Flughafen ankomme, da ich ja nun inzwischen doch etwas knapp dran bin.

17.10 Uhr komme ich laut App am Terminal an – 30 Minuten bevor Gate und Boarding schließen. „Etwas knapp, aber machbar.“, denke ich. Der Vorteil am Reisen mit Handgepäck ist halt einfach, dass man sich das lästige Einchecken am Flughafen sparen kann. Ich schreibe A., dass ich hoffe, dass an der Securityschlange nicht so viele Leute stehen und ich fix durchkomme. „Ich drück dir die Daumen.“, schreibt er zurück.

In Rudow muss ich nur wenige Minuten auf den Bus warten und steige nach kurzer Zeit ein. „It's time to go, please make your way to gate 65“ erscheint auf meinem Handy.
Wenige Minuten später sind wir endlich nicht mehr allzu weit von Schönefeld entfernt, wir passieren die Stadtgrenze Rudow und kurz darauf bleibt der 171 einfach stehen. „Komisch“, denke ich. „die reguläre Haltestelle liegt doch bereits hinter uns.“
Ich muss gar nicht aus dem Fenster schauen um zu sehen, dass etwas nicht stimmt. Die Reflektion des Blaulichts streift in regelmäßigen Abständen mein Gesicht. Natürlich ist mein Bus voll mit Gaffern, die sofort aufspringen, ihre neugierigen Nasen an den dreckigen Scheiben plattpressen und versuchen zu erspähen, was da draußen so vor sich geht.

Es ist mir total egal, was da draußen vor sich geht, ich will einfach nur, dass der Bus weiterfährt und ich meinen Flieger noch erwische. Natürlich hoffe ich auch, dass außerhalb des Busses niemand verletzt oder plattgefahren auf der Straße liegt.
„Der Bus fährt nicht weiter, Straße ist abgesperrt, Polizei ist da“ tippe ich. A. textet sofort zurück und fiebert mit mir mit. Während die Gaffer noch immer an der Scheibe kleben, obwohl man außer einem Polizeiauto offensichtlich nichts sehen kann, überlege ich, was ich jetzt tun soll. Gerade als ich darüber nachdenke, den Busfahrer zu bitten, die Türen zu öffnen, kommt eine Durchsage: „Dit jeht jetzt hier erstmal ne Weile nich weita wa.“, sagt er und öffnet die Türen. Ich greife mir meinen Koffer und springe aus dem Bus. Als ich den schmalen Gehweg langhetze, sehe ich ein umgekipptes Auto mitten auf der Straße liegen. „Scheiße“, denke ich, bin aber erleichtert, nirgendwo Blut oder einen Leichensack zu sehen.

Als ich nach vorne schaue, sehe ich erst, wie weit der Flughafen noch weg ist. Noch bevor ich anfange zu rennen, schießt mir die Hitze ins Gesicht und mein Herz beginnt zu rasen. Urplötzlich kommt mir mein alter Sportlehrer in den Sinn - als ich mit 21 jungen Jahren damals keine zwei Minuten am Stück laufen konnte und fast in der Halle zusammenbrach, legte er kopfschüttelnd seine Hand auf meine Schulter und sagte: „Sie werden mit 30 nicht mehr allein in einen Bus einsteigen können.“ Damals habe ich gelacht, heute denke ich, er hat vielleicht Recht.

Es ist 17.17 Uhr als ich anfange zu rennen, oder zumindest so schnell vor mich hin zu stolpern, wie es halt geht. 17.27 Uhr erreiche ich nach 1,7km das Terminal und bin schweißüberströmt, am Einlass zur Security Control steht niemand an. „So jeht dit aber nich, Frollein!“, tönt es, als ich gerade mehr oder weniger elegant versuche, unter der Absperrung durchzuklettern um den Weg abzukürzen. Ich werfe ihm einen Blick zu der sagt, dass das absolut nicht witzig ist. „Dit is keen Witz, Frollein!“ sagt er. Leider lacht er dabei nicht. Ich denke, ich spinne und mir fällt vor lauter körperlicher Erschöpfung kein intelligenter Konter ein. Ich entscheide mich mutig dafür, vor seinen Augen trotzdem die Abkürzung zu nehmen und renne einfach so schnell ich kann zur Sicherheitskontrolle weiter. Als ich mich umdrehe, sehe ich, wie er mir durch die Scheibe einen Vogel zeigt. Ich bin schon versucht, ihm einen zurückzuzeigen, als mir einfällt, dass man es sich am Flughafen vielleicht besser nicht mit dem Personal verscherzt. Ich drehe mich einfach um und sehe dabei dem nächsten Problem ins Auge. Es ist nur eine einzige Sicherheitskontrolle offen und vor mir stehen locker 15 Leute. Ich zittere am ganzen Körper und spüre eine leichte Panik aufsteigen. In zehn Minuten schließt das Boarding für meinen Flug und ich bin noch nicht mal im Sicherheitsbereich. Durch die Anstrengung treten mir Tränen in die Augen und mit voller Verzweiflung in der Stimme frage ich, ob mich jemand vorlassen würde. Ich erwarte Reaktionen wie „Na wärste halt ma früher herjekomm'n, denn passiert sowat ooch nich wa.“ oder „Jajaja, zu spät komm'n und denn noch vordrängeln wa.“.

Doch vor mir teilt sich die Menge und alle lassen mich einvernehmlich vor, ich kann mein Glück kaum fassen und mir kullert eine Träne die Wange hinunter. Vor Freude, natürlich. Ich knalle meinen Koffer aufs Band, schmeiße den Laptop und meinen Beutel mit den Flüssigkeiten in die dafür vorgesehenen Schalen und trete durch den Detektor. Natürlich piepse ich und werde ausgiebig kontrolliert. Für die Schnalle an meinem Gürtel interessieren sich wieder alle, dass ich aber 10 Gelkapseln mit Waschmittel in meinem Koffer dabei hab, ist scheinbar in Ordnung.

Nachdem ich all mein Zeug vom Band gesammelt hab, renne ich durchs Terminal, natürlich ist Gate 65 das vorletzte und somit doch relativ weit von mir entfernt.
„This is the final call for passengers on flight EZY8214 to London Gatwick!“, höre ich es durch die Lautsprecher schallen und weiß, dass man beim Final Call nicht nur etwas spät sondern so richtig spät ist. Die große Uhr an der Wand weist mich mit lautem Klicken darauf hin, dass mir noch 60 Sekunden bleiben, ich weiß nicht, woher ich die Energie nehme, meine Puddingbeine die letzten 10 Gates zum Rennen zu bewegen, aber irgendwie komme ich an. Ich klatsche meinen Pass auf den Tresen und ringe um Luft, während der Polizist länger als nötig das Photo mit dem verschwitzten Original vergleicht. Ich schleppe mich die letzten drei Meter Richtung Flugsteig und werde natürlich prompt aufgefordert, meinen Koffer noch aufzugeben, da schon alles voll sei.
Mir ist im Moment eigentlich alles egal, ich will nur wieder atmen können und an Bord des Fliegers gehen. Hektisch krame ich die wichtigsten Sachen aus meinem Koffer und schmeiße alles in meinen kessen Jutebeutel. Ich wanke Richtung Flugzeug und stolpere irgendwie die Treppe hoch.

Auf dem Weg zu meinem Platz durchbohrt ein stechender Schmerz meine Lendengegend. „Scheiße“, denke ich. Smoothie und Mate sind wohl durchgelaufen und wollen raus. Da ich eh schon die letzte bin, gebe ich nun alles um mich weiter unbeliebt zu machen. Ich lege meinen Kram auf meinem Sitz ab und gehe schnurstracks weiter zur Toilette. Nach dem Verriegeln der Tür erschrecke ich mich kurz, als ich mein Spiegelbild sehe. Um den Flugbetrieb nicht weiter aufzuhalten, beschließe ich, mich dann später auf meinem Platz nachzuschminken und pinkel einfach nur schnell.

Die augenrollenden Leute auf dem Weg zurück ignoriere ich gekonnt und lasse mich in meinen Sitz fallen. Ich schnalle mich an und schmeiße meinen Beutel unter den Vordersitz. Wir rollen schon langsam Richtung Startbahn als ich A. noch schnell ein „Ich liebe dich!“ schicke, dann schalte ich mein Telephon in den Flugmodus und atme tief durch.


26.04.17

the move pt. 1

24.4.2017;

Ich zerre meine zwei völlig überladenen Koffer Richtung Wohnungstür, unterwegs nehme ich den ein oder anderen Schuh mit - ich hinterlasse eine kleine Schneise der Verwüstung, ich halte inne und betrachte das Chaos. Mein Magen ist schon seit gestern Abend irgendwie schwer und macht, das meine Beine bleiern werden. Ich schlucke, mein Hals tut weh, ich sage mir, es kommt von der noch anhaltenden Erkältung, eigentlich weiß ich aber, dass es mir einfach schwer fällt zu gehen.

Ich stürme ins Schlafzimmer um mich von A. zu verabschieden, minutenlang sitze ich auf der Bettkante und kann mich einfach nicht losreißen. "Wir müssen ja keinen großen Abschied daraus machen, im Grund genommen ändert sich ja nicht viel" sagt A. als er merkt, wie schwer es mir fällt. "Recht hat er ja", denke ich, gebe ihm noch einen Kuss und stapfe davon.

Nachdem ich mich mit meinen 40kg Gepäck vom vierten Stock unseres aufzuglosen Altbaus nach unten gekämpft habe, bin ich schweißüberströmt und bereits völlig am Ende meiner Kräfte. Entgegen meiner guten Vorsätze zücke ich das Handy und bestelle mir ein Taxi. Der Gedanke, diese beiden Koffer noch zwei weitere Male die Treppen zur U Bahn rauf und runter zu tragen, verdrängt die Stimme in meinem Kopf, die mich daran erinnert, dass ich ja eigentlich Geld sparen wollte.

Das Taxi kommt, der Fahrer wuchtet meine Koffer ins Auto, schnauft dabei auffällig laut und wischt sich heimlich die Stirn. "Wo wolln'se die beeden Dinger denn hinvaschiff'n?" fragt er, als wir beide im Wagen sitzen. "Schönefeld", krächze ich und er fährt los. Auf der Fahrt brabbelt er mich voll, er mustert mich im Rückspiegel und erwartet zu jeder Geschichte einen Kommentar. Es ist 7.04 Uhr am Morgen und ich frage mich, ob er nicht endlich mal mitbekommt, dass meine Stimme gar nicht in der Lage ist, ausschweifende Kommentare abzugeben. Immerhin, er fährt so, dass mir nicht übel wird.

Etwas 25 Minuten später stehe ich mit meinen zwei Koffern vorm Terminal, die Sonne scheint und als ich per App das Taxi zahle, fällt mir auf, dass der Flug mich in etwa genauso viel gekostet hat. "Naja", denke ich, "immerhin muss ich erst wieder in London ans Schleppen denken."

Das nicht geplante Taxifahren ließ mich unerwartet früh am Flughafen sein, aus Mangel an Ideen und Entertainmentmöglichkeiten außerhalb des Sicherheitsbereichs in Schönefeld, stelle ich mich einfach mit meinen Koffern vor die Anzeige, auf der ich penibel beobachten will, wann das graue Feld bei meinem Flug in eines mit Schrift und der Aufforderung, sich zum Check In zu begeben, umgewandelt wird. Ich warte noch nicht lange, als plötzlich ein Mitarbeiter des Bodenpersonals vor mir steht: "You look like you're going to Luton", stellt er fest und ich antworte nur perplex mit einem simplen "Yes.". Mir ist immernoch nicht klar woran genau er das jetzt festgemacht hat und vor allem warum er auf mich zu kam, ich will mich jedoch nicht beklagen, denn es hatte zur Folge, dass der Flug vorab für mich geöffnet wurde, damit "you don't have to wait", wie er so schön sagte.

Bei der Sicherheitskontrolle verläuft alles wie gewohnt, ich piepse beim Durchlaufen, mein Koffer und meine Kleidung werden auf Sprengstoff getestet, aber es wundert sich niemand über meine 27 Lippenstifte im Handgepäck. Nach dieser gewohnten Prozedur lasse ich mich auf dem Boden vorm Burger King nieder, überlege, was ich jetzt mit meiner Zeit anfangen soll und erinnere mich, dass ich ja eventuell wieder ein bisschen auf meinem Blog schreiben wollte. Ich öffne meinen Laptop und rufe blogger.com auf, nach der Eingabe meiner Mailadresse komme ich nicht weiter. "Wie war denn dieses blöde Passwort?!", denke ich und gebe nach einigen Versuchen auf. Ich klicke auf 'Passwort vergessen' und lasse die nervige Prozedur über mich ergehen. Immerhin - ich bin wieder drin, in meinem alten, völlig eingestaubten Blogger Account.

Da sitze ich, fange vorsichtig an, die ersten Wörter zu tippen, bald fällt es mir leichter und es tippt sich so vor sich hin. Als ich grad denke, dass es eigentlich Spaß macht, erscheint "It's time to go - please make your way to gate 58" auf meinem Handy und ich packe meinen Laptop ein, verstecke meine Handtasche unter meinem Mantel und mache mich, dem Rat der App folgend,  auf den Weg. Beim Boarding habe ich in zweierlei Hinsicht Glück - es fällt niemandem auf, dass ich ein zusätzliches Handgepäck mit reinschmuggle und ich bin früh genug im Flieger, um meinen Koffer in einem Overheadlocker an meinem Platz zu verstauen. Leider habe ich einen Sitzplatz in der Mitte und hoffe nur, dass meine beiden Sitznachbarn die stillen Regeln der Sitzplatzverteilung im Flugzeug kennen (und sich daran halten!) - und wieder: ich habe Glück!

Der Flug war erträglich, die Fahrt in die Stadt ebenfalls. Mein Weg von Victoria zu meiner Übergangsunterkunft allerdings weniger; nicht, dass ich schon mit meinen zwei Koffern genug gestraft gewesen wäre - ich verpasste einen Bus, kam in einen fiesen Regenschauer und als ich dann tropfend mit meinem Gepäck drin saß, war irgendwas kaputt und ich musste aus- und umsteigen. Als ich dann irgendwann nach weiteren (typisch London!) Zwischenfällen endlich in Peckham ankomme, bin ich eigentlich schon völlig am Ende. Dabei zeigte die Uhr erst frühen Nachmittag!

Zu viel bin ich nicht mehr in der Lage, aber ich gehe Lebensmittel einkaufen und ein bisschen die Umgebung erkunden, am Abend fahre ich zu meinem allerliebsten Lieblingsbuffet in Camden, welches veganes All u can eat anbietet und fange an zu schaufeln, dass die Reiskörner nach rechts und links vom Teller weghüpfen. "Du bist hungrig", stellt Zorni fest und fängt ebenfalls an zu spachteln. Nach drei geleerten Tellern und mit glühenden Wangen verlassen wir das Lokal, da merke ich, wie mir die Müdigkeit in alle Glieder kriecht. Im Bus auf dem Heimweg bin ich ruhig, ich sage nur ab und an etwas, um nicht direkt einzuschlafen.

Zuhause angekommen, packe ich die Luftmatratze aus, drapiere ein paar Kissen und zwei Decken darauf und krieche darunter. Ich schließe die Augen und als ich ein Stück nach hinten rutsche, spüre ich die kalte Wand im Rücken. "A., du fehlst mir so", denke ich und falle in einen unruhigen Schlaf.


18.05.16

Aus Pink wird Blond.



Zehn Jahre lang habe ich pinkes Haupthaar gehabt. Zehn Jahre sind eine lange Zeit. Genau genommen habe ich (bis auf meine Naturhaarfarbe) keine Haarfarbe so lange gehabt wie das Pink. 

Nun bin ich blond. 

"Warum?" fragen mich alle. "Warum?" - das frage ich mich auch. 

Auf diese Frage gibt es viele Antworten und irgendwie auch keine.

Über die letzten Wochen (oder waren es vielleicht auch Monate?) wuchs heimlich, still und leise
der Wunsch nach einer anderen Haarfarbe in mir heran. Den Auslöser dafür kann ich gar nicht so genau benennen, irgendwann waren die Gedanken einfach da. Und irgendwann waren sie so laut, dass ich sie nicht mehr verdrängen konnte. Und irgendwann habe ich die Entscheidung dann getroffen - ich werde mich vom Pink trennen. Ich kann nicht leugnen, dass ich solche Gedanken im Laufe des letzten Jahrzehnts öfter hatte, aber nie waren sie so stark wie in den letzten Wochen. Zu sagen, ich hätte mich nach Natürlichkeit gesehnt, wäre seltsam, denn wir wissen alle, dass ich nicht der natürlich Typ bin. 

Vielleicht haben mir Kleinigkeiten gefehlt, wie roten Lippenstift zu tragen. Oder nichtschwarze Kleidung. Vielleicht war ich genervt davon, dass mich alle über die Haare definiert haben. Vielleicht fühle ich mich zu alt für bunte Haare. Vielleicht wurde es einfach mal Zeit für eine Veränderung. Vielleicht sind das aber auch alles nur vage Erklärungsversuche. 

Sicher ist - das Pink ist Geschichte. Ob ich blond bleibe? Ich weiß es nicht. Aber ich denke - nein, ich weiß - bunte Haare werden auf meinem Kopf nicht mehr zu finden sein.






20.09.14

thinking about.... growing up


"Das war der Punkt, an dem ich mich zum ersten Mal so richtig erwachsen fühlte." 

Ich denke in letzter Zeit öfter an dieses Gespräch zurück, als wir, auf dem Raucherhof sitzend, über seine Hochzeit reden. (Mein Dozent hat mit 45 geheiratet und sich ab diesem Augenblick erwachsen gefühlt.)

Ab wann ist man "erwachsen"? Gibt es den einen Moment im Leben, in dem man plötzlich das Gefühl hat, man sei gerade "erwachsen" geworden?  Gibt es Menschen, die niemals diesen Moment erleben, in dem sie sich plötzlich ganz und gar "erwachsen" fühlen?

Bin ich "erwachsen"? Wenn ja, seit wann? Wenn nein, ab wann werde ich es sein? Und, "Erwachsensein", was heißt das eigentlich?

Fragen über Fragen, und wer hat denn nun die Antworten?

Wer meinen Woodstock Post aufmerksam gelesen hat, dem wird wohl eine Zeile nicht entgangen sein ("Es gab dieses Woodstock auch einen für mich sehr prägenden Moment, der mit meinem Erwachsenendasein zu tun hat") - und genau davon will ich nun erzählen.

A. und ich saßen abends auf den Sandhügeln unweit unseres Camps, tranken köstliches polnisches Dosenbier und folgten dem Geschehen auf der kleinen Bühne. Wir unterhielten uns darüber, wie sehr sich das Woodstock in den letzten Jahres gewandelt hatte und versuchten, die Ursachen dafür auszumachen. Während A. noch nicht ganz so lange dabei ist wie ich, kann ich auf eine zehnjährige Woodstockgeschichte zurückblicken. Ich war das erste Mal mit 15 dort, alles war völlig ungeplant und chaotisch, ich fuhr mit einem Freund hin, den ich dann vor Ort auch noch verlor, ich hatte kein Geld auf meinem Handy und kannte sonst niemanden dort. Ich hab mich dann das Wochenende alleine durchgeschlagen und es war trotzdem irgendwie so cool, dass ich das Jahr darauf wieder hinfahren wollte. Diesmal mit zwei anderen Freundinnen. Auch damals waren wir nicht gerade gut  vorbereitet und hatten viele essentielle Dinge nicht dabei, Dinge, an die man eben nicht denkt, wenn man jung ist und sich darüber freut, ein kleines Abenteuer fernab von Zuhause und ohne Aufsicht zu erleben. Ich erinnere mich dunkel, dass wir meist zu dritt in einem winzigen Zelt genächtigt haben, und Isomatten, ich bezweifle stark, dass wir so etwas damals dabei hatten. Zwei Schlafsäcke vielleicht, die wir uns zu dritt teilten. Einen Gaskocher, Besteck oder wenigstens Sonnencreme - nichts von alledem hatten wir damals dabei. Bis wir vor einigen Jahren auf die Idee kamen, zumindest einen Pavillon oder wenigstens eine Plane mitzunehmen, haben wir tagelang in der brütenden Sonne geschmort, im strömenden Regen gesessen, jeden Abend zu viel getrunken und gekotzt, und am nächsten Tag trotzdem weitergemacht. Irgendwie hab ich das Gefühl, wir waren in diesem Alter einfach noch etwas resistent, was das Lernen aus Fehlern angeht. 

Über die letzten etwa 4 Jahre, haben wir unser Woodstock mehr und mehr perfektioniert, wir waren noch immer der kleine Kern, der von Beginn an dabei war, es kamen jedoch stetig mehr Leute hinzu, wir fingen wochenlang vorher an zu planen, kauften Pavillons, Lampions, Gaskartuschen, Mückenspray, all diese wichtigen Dinge, die einem das tagelange Campen in freier Natur irgendwie erträglicher machen. Und nach jedem Jahr hatten wir auf der Rückreise das Gefühl, es wäre bisher das beste Woodstock ever gewesen. 

Dieses Gefühl blieb dieses Jahr leider aus. Als wir da saßen, auf diesen Sandhügeln, liess ich all die Woodstock Jahre in meinem Kopf Revue passieren. "Woodstock, das steht irgendwie stellvertretend für meine Jugend" sage ich zu A., der zustimmend nickt. Ich verfalle in einen regelrechten Redefluss, erzähle all die Geschichten von den Woodstocks, auf denen er noch nicht dabei war, und dann die, bei denen er dabei war. Ich muss viel lächeln währenddessen, aber es schwingt eine überwältigende Wehmut mit. "Ich habe das Gefühl, dass meine Jugend in den letzten Tagen hier irgendwo auf der Strecke geblieben ist. Dieses Woodstock ist so anders als all die Jahre zuvor, dieses hier hat so einen bitteren Beigeschmack." 

Während ich das ausspreche, wird mir klar, dass ich trotz meinem Hang zur Dramatik dieses Mal aber wirklich nicht übertreibe, ich meine es genau so, wie ich es sage. Diese Erkenntnis ist irgendwie niederschmetternd, ich trinke einen großen Schluck Bier und versuche damit den dicken Wehmutskloß in meinem Hals loszuwerden. Wir schweigen eine Weile, halten dabei unsere Hände, beobachten die blinkenden Lichter auf der Bühne und ohne es nochmal auszusprechen, wissen wir beide, dass diese Zeit vorbei ist, Woodstock wird für uns niemals mehr dasselbe sein. Irgendwie sind wir erwachsener geworden.


 





 

13.08.14

Once a year.... Birthday girl!



Ich hatte Geburtstag, wie das eben einmal im Jahr so üblich ist. All die Glückwünsche und Geschenke, die ich bekam (ich finde es allerdings immernoch befremdlich, dass an meinem Geburtstag ausgerechnet ich beschenkt werde - wieso nicht meine Mummy? Ihr müssen doch alle, die mich lieb haben, dankbar sein, dass es mich gibt. Und wenn sie schon dabei sind, auch gleich noch meinem Papa dankbar sein, denn der hat ja auch keinen unwesentlichen Teil dazu beigetragen, dass ich nunmehr seit 25 Jahren auf dieser Erde weile) sind toll, aber abseits von diesen materiellen Dingen kann ich mich aber auch so wirklich glücklich schätzen.



Ich habe wunderbare Freunde, ich habe eine ganz wunderbar verrückte Familie, ich erlerne meinen Traumberuf, ich hab den besten Nebenjob der Welt, ich habe eine wunderschöne Wohnung, ich habe einen wunderbaren den wunderbarsten Mann an meiner Seite, ich mag meine Schwiegerfamilie und meine Schwiegerfamilie mag mich, ich bin glücklich, ich mag mich selbst, ich bin ein Viertel Jahrhundert alt und habe keine sichtbaren Falten!

Na, wenn das kein Grund zum Feiern ist! Und genau das tat ich direkt an meinem Geburtstag auch erstmal mit meinen Freunden...



 Ein Teil meiner Geschenke, im Folgenden nochmal einzeln zu betrachten:


YSL Taschenspiegel, Karl Lagerfeld Buch, eine Avocado :D (Ich hab übrigens mehrere bekommen^^), äh, sehr hohe Schuhe - schwule Freunde wissen, was an meinen Füßen gut aussieht. 


Und weil das Feiern mit Freunden so schön war, lud ich meine Family zum Essen ein paar Tage später ein und ließ mich einfach nochmal feiern ;)


  Zu diesem Anlass hab ich auch meine allererste Rohe, vegane, glutenfreie Torte gemacht und naja, ich will mich ja nicht selbst loben (Lüge! Natürlich will ich das!), aber sie war extrem lecker und rundum gut gelungen.



12.08.14

thinking about..... wanderlust and the love-hate relationship between me and my hometown.




Reisen ist die Sehnsucht nach dem Leben ~ Kurt Tucholsky  
 




Das Herz rast, die Gedanken fliegen, ich bin unruhig und kann nicht still sitzen. Laufe rastlos umher, kann nicht schlafen. Stehe mitten in der Nacht auf und finde mich auf dem Balkon wieder, eine Zigarette rauchend. Ich sehe hinauf zum Sternenhimmel, sehe hier und da ein Flugzeug in weiter Ferne blinken und wünsche mir so sehr, ich könnte gerade in einem davon sitzen. Auf dem Weg irgendwohin, raus aus Berlin, welches mir doch eigentlich auch so sehr am Herzen liegt. 

Berlin ist meine Heimatstadt, und nicht nur das, im Gegensatz zu vielen Leuten meiner Generation bin ich tatsächlich hier geboren und habe schon immer hier gelebt (naja, streng genommen wurde ich natürlich in einem anderen Staat geboren, aber da es den ja nicht mehr gibt, sehen wir das mal nicht so eng).  Ich bin nach Erreichen meiner Volljährigkeit vom Ostteil der Stadt in den Westteil übergesiedelt (komisch, dass immernoch so viele Leute an dieser Trennung festhalten) und fühle mich hier äußerst wohl. Ich liebe Berlin, keine Frage, und ich bin hier auch sehr gern Zuhause. Dennoch leide ich unter chronischem Fernweh. Ich könnte ständig irgendwo hinreisen, es muss ja nicht mal New York, Dubai oder Rio de Janeiro sein. Bisher gebe ich mich (noch) mit Europa zufrieden.

Bestätigen klicken und schwups, ist der nächste Flug gebucht. Ich liebe das. Es ist eine regelrechte Sucht, eine Sehnsucht eben. Eine Sehnsucht nach der Ferne, bei manchen weniger und bei manchen mehr ausgeprägt. Ich lüge nicht, wenn ich sage, dass ich quasi jeden Euro, den ich über hab (und naja, manchmal auch den Euro, den ich eigentlich nicht über hab..) ins Reisen investiere. 

Und manchmal, da ist diese Sehnsucht so groß, sie überkommt mich ganz plötzlich und mit einer solchen Gewalt, dass mir fast die Tränen in die Augen steigen und mein Herz ganz schwer wird. Ich setze mich dann für gewöhnlich mit einem Glas Wein oder einem Bier vor meinem Laptop und klicke mich durch meine letzten Reisephotos. Das trägt natürlich keineswegs dazu bei, diese Sehnsucht in irgendeiner Weise zu mildern, ganz im Gegenteil, ich steigere mich dann gern noch etwas mehr hinein, mache mir eine Playlist mit tieftraurigen Songs an und gebe mich dem Fernwehschmerz so richtig hin. Nicht selten ende ich dann auf der Website einer bekannten orangefarbenen Billigflugairline und gehe alle Ziele ab Berlin durch, am liebsten ab dem nächsten Morgen gleich weg und bitte so günstig wie möglich! Ein zweiter Tab, der mich in die Höhen und Tiefen (eher Tiefen) meines Kontostandes entführt, holt mich dann wieder auf den Boden der Tatsachen zurück - ich verdiene eben noch kein gutes Geld und bleibe das nächste Wochenende eben wieder hier, im kuntergrauen, vollgekackten aber immer pulsierendem Berlin. 

Ach Berlin, es ist eine Hassliebe mit uns, ich schätze wirklich viel an dir, aber manchmal muss ich einfach weg.


10.08.14

thinking about.... Przystanek Woodstock 2014


Achtung - viel Text ;)



Przystanek Woodstock 2014 - dieses Jahr gabs das Woodstock nun schon zum 20. Mal; und für mich war es dieses Jahr ebenfalls ein Jubiläum, ich bin nämlich seit 2004 dabei und war somit zum zehnten Mal in Folge dort. Ich hatte hohe Erwartungen und war ein paar Tage vorher in größter Vorfreude.  Ich hab die Sachen aus den Kartons gekramt, war einkaufen, hab den Blogpost über die wirklich wichtigen Dinge auf nem Festival verfasst. Aber naja, irgendwie war es mal so gar nicht das Best Woodstock ever, wie ich es mir ausgemalt hätte...



 Nun war es so, dass das Line Up dieses Jahr nicht besonders toll war, aber normalerweise ist mir das relativ egal, ich fahre - entgegen der Intention der meisten Festivalbesucher - nicht unbedingt der Musik wegen hin. Für mich ist Woodstock ein fester Bestandteil meiner Jahresplanung, komme, was wolle, alles andere wird verschoben, Woodstock hat oberste Priorität, mit den Jahren wurde es für mich immer wichtiger, nicht zuletzt, weil ich immer irgendwie mit denselben Leuten fahre und das sind vor allem Freunde, die ich schon sehr lange kenne, aber durch meine und ihre ungünstigen Arbeitszeiten, Auslandsaufenthalte etc nicht so oft sehen kann, da ist Woodstock für uns alle perfekt, jeder plant seinen Urlaub so, dass es hinhaut und wir verbringen dann wenigstens eine Woche im Jahr gemeinsam.

Nunja, also, das Line Up war nicht der Bringer, das war zwar uncool, aber nicht der ausschlaggebende Punkt für meinen negativ angehauchten Nachgeschmack dieses Jahr. 

Wir sind mittlerweile eine ziemlich große Gruppe, der Kern seit Jahren derselbe, und dann jedes Jahr noch ein paar wechselnde Leute dazu. Hat bisher auch immer ganz gut funktioniert und auch neue Leute kennenlernen ist ja nicht prinzipiell schlecht. Aber dieses Jahr war es so, dass irgendjemand, der mal vor Jahren bei uns im Camp war, dazu kam und nach und nach noch etwa zehn weitere Leute mit eintrudelten. Soweit natürlich noch kein Problem, aber ich bin der Meinung, wenn man sich entschliesst, sein Zelt in einem großen Camp mit aufzuschlagen, dann sollte man doch wenigstens die Absicht haben, sich mit den Leuten, zu denen man netterweise noch dazu darf, mal zu unterhalten. Kommunikation fand aber irgendwie keine statt, und wenn nur hinter dem Rücken. Oder in Form von "Ihr habt ein Bier aus unserem Vorrat genommen, das bekommen wir aber zurück!" (Ich wage mal zu behaupten, dass diese Personen mehr als nur ein Bier aus unserem Vorrat getrunken haben...) . Naja, irgendwie hat das die Stimmung bei mir schon mal grundsätzlich etwas getrübt, weil dadurch die gesamte Gruppendynamik flöten ging und es zu Lagerspaltungen kam. Uncool. Aber sowas von.

Da ich seit zehn Jahren mit am Start bin, hab ich natürlich miterlebt, wie sich das Festival entwickelt hat. Und während es vor zehn Jahren (vor allem in Deutschland) noch kaum jemandem ein Begriff war, kennt es mittlerweile fast jeder. Das schlägt sich natürlich in den Besucherzahlen nieder - nur mal zum Vergleich, Wacken ausverkauft beherbergt 75.000 Leute. Und ihr denkt das sei viel? Woodstock dieses Jahr hatte ganze 750.000 Besucher. Das sind zehn Mal so viele wie auf Wacken. Das ist fast eine ganze scheiß Million. Muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen.

750.000 Menschen. 

Das war für mich der nächste Punkt, es war einfach so schrecklich voll, war die "kleine" Bühne früher eher spärlich besucht, sah es dort dieses Jahr aus wie noch vor zwei Jahren vor der Hauptbühne. Das war einfach Wahnsinn. Und ich mag große Menschenansammlungen prinzipiell auch eher weniger und diese Menge an Menschen war mir einfach irgendwann zu viel. Das führte wiederum dazu, dass ich die Hauptbühne kaum besucht habe und wenn nur vor der "kleinen" war. Da spielten aber auch einige coole Bands, das muss auch mal gesagt werden.

Am letzten Tag hatte ich auch noch Kreislaufprobleme von der scheiß Hitze, gepaart mit einem Kater, da war mein Heimweh groß sag ich euch. Ich lag dann abends im Zelt, hab meine Nase in meinem parfümierten Schal vergraben und mir einfach gewünscht, ich könnte nach Hause. Aber auch die Nacht hab ich noch irgendwie überstanden und Sonntag ging es dann Heim. 

Ich hab dann also mit gemischten Gefühlen den Heimweg angetreten, einerseits war ich mehr als erleichtert endlich wieder in meine wunderschöne Wohnung zurückkehren zu können, andererseits war ich unglaublich wehmütig und hatte schreckliche Sehnsucht nach der alten Zeit. 

Es gab dieses Woodstock auch einen für mich sehr prägenden Moment, der mit meinem Erwachsenendasein zu tun hat, aber das poste ich nochmal in einem separaten Eintrag (der Text dazu würde wohl den üblichen Rahmen für ein Festival Resümee sprengen).

Nun ja, abschließend kann ich das wohl so zusammenfassen: ich war nicht so begeistert wie die letzen Jahre.



Nichtsdestotrotz kommen hier noch ein paar Bilder, denn Spaß hatte ich trotz allem auch ;)


100 Liter Bier, und sie waren nach einem Abend weg... // unser weniges Gepäck // Lech Heißluftballon // Willkommensbanner in Kostrzyn


 Die schönsten Momente hab ich mit A. geteilt :) Ohne ihn wär meine Stimmung sicher noch mehr im Keller gewesen..


 Wir hatten aber einen wirklich tollen Campingplatz dieses Jahr, unmittelbar an der kleinen Bühne, so konnten wir tagsüber einfach unsere Stühle auf die Hügel vor unserem Camp aufstellen und aus sicherer Entfernung die Musik genießen, das war schon schön.





Ich weiß übrigens nicht, was das ist, aber mich heben irgendwie immer gern alle Männer hoch, haha. Vorzugsweise zur Begrüßung, aber aufm Woodstock hab ich den Boden oft aus großer Entfernung betrachten können ^^



War jemand von euch auch da? Und wie ist eure Meinung zum diesjährigen Woodstock?





27.07.14

thinking about...The REAL Festival Guide


Ich weiß ja nicht wie es euch geht, aber in den vergangenen Wochen las man auf vielen Blogs über die anstehende Festivalsaison und damit verbunden tauchten uuuunzählig viele Post mit den "perfekten" Festivaloutfits auf - perfekt waren sie schon irgendwie, die BloggerInnen sahen alle umwerfend aus, in ihren bodenlangen, schwingenden Röcken, Lederfransenjacken, mit den Unmengen an Schmuck, den Designersonnenbrillen und der wallenden Hippiemähne. Oder in ihren High Waist Shorts mit Crop Top und kimonoähnlichen Überwürfen, dazu Overknees und Biker Boots. Perfekte Smokey Eyes, Ketten im Haar, perfekt mattierter Teint. Hach, war das schön anzusehen. Wie sie lächelnd im Sonnenschein tanzend posierten und uns vermitteln wollten, dass ein Festival auch irgendwie eine Art von Schaulaufen und OOTD's sein kann. Aber die Wahrheit sieht nun mal ein wenig anders aus. Lederjacke? Ziemlich cool, aber bei 40 Grad im Schatten irgendwie nicht machbar. Biker Boots? Ja geil! Aber erst abends dann, wenns anfängt kalt zu werden. Sonst leidet man nicht nur selbst unter denen sich in Schweiß auflösenden Füßen, nein, auch deine Mitmenschen haben sicher keine Freude, wenn du dir die Dinger mal kurz vom Latschen ziehst um sie durchzulüften. Und vom perfekten Make up und den Drei-Wetter-Taft-Haaren kann man sich gleich schon mal ganz verabschieden. Aber all das ist ja auch nicht weiter schlimm, wenn man weiß, was einen erwartet und man vor allem auf ein Festival fährt, um da zu sein, die Musik zu genießen, im Staub zu tanzen, mal Zehn Bier über den Durst zu trinken und vor allem wenn man sich von einem Gedanken verabschiedet - nämlich, dass man nicht in jeder Situation gut aussehen kann und das einem selbst und den Leuten um dich herum auch eigentlich völlig egal sein kann.

Ich bin mir sicher, die Mehrheit von euch ist sich dessen sicher ebenso bewusst wie ich, aber es gibt bestimmt auch einige hier, die noch nie in ihrem Leben auf nem Festival waren und diese perfekt inszenierten Bilder im Netz anschmachten und vielleicht auf die Idee kommen, nun doch auch mal irgendwo hinzufahren und dabei das Hauptaugenmerk im Gepäck auf die völlig falschen Dinge legen. Mir geht es hierbei gar nicht darum, die Styley-Smiley Festival Besucher Blogger irgendwie zu denunzieren, auch ich hab mir die Posts alle angesehen und im Hinterkopf Gedanken gehabt wie "Oh, das ist aber ein toller Look!", aber irgendwie wuchs dieses Bedürfnis in mir heran, einen Post darüber zu verfassen, was im Festivalgepäck wirklich wichtig ist und dass man nunmal einfach meistens eher bescheiden aussieht.

Also saugt diesen Post mit einem Augenzwinkern in euch auf, ich will hier niemanden blöd anmachen und bin mir auch bewusst, dass es sehr viel leichter ist, top gestylt auf einem Festival zu verweilen, wenn man fünf Kilometer weiter in einem Hotel nächtigt, morgens genügend Zeit hat, sich fertig zu machen und abends wieder brav ins Hotelbettchen zurückkehrt. Nur, soweit ich weiß, zeltet die Mehrheit immernoch auf dem Gelände, trinkt abends zu viel und vergisst auch mal, sich einzucremen und wacht am nächsten Morgen mit Rudolphnase, sich pellenden Schultern und einem Mörderkater auf.

Darum jetzt hier mal zusammengefasst das Wichtigste ;) 


Du bist Vegetarier, Veganer oder einfach jemand, der nicht eine Woche lang nur den Festivalfraß essen kann? Nimm dir ein paar Sachen mit, die sich auch ungekühlt ne Weile halten und die du gern isst. Dein Festivalfrühstück wird so viel schöner sein als das deines Zeltnachbarn, der morgens schon einen Festivaldöner für 10€ in sich reinschaufelt. 


 Vergiss auf keinen Fall, dir wirklich wichtige Dinge einzupacken - Pflaster, Desinfektionsspray, Sonnencreme (!!!), Desinfektionsgel für die Hände und Kältespray ist mein absoluter Geheimtipp gegen Mückenstiche - einmal draufsprühen und diese Miststiche jucken nicht mehr.



 Medikamente!!!!!! Stell dir vor, du wachst gegen 6 Uhr in deinem 70 Grad heißen Zelt auf, nachdem du erst um 4.30 Uhr ins Bett gewankt bist und hast nun einen Mörderschädel - und weit und breit keine Kopfschmerztablette...ein Albtraum!!!!! Also pack dir lieber ne Schachtel (oder zwei, es gibt immer jemanden, der bei dir schnorren wird und am Ende stehst du wieder ohne da) ein. Ebenso ist es ratsam, was gegen Übelkeit dabei zu haben, kommt nicht selten vor, dass einem vom Festivalessen oder einfach dem übermäßigen Alkoholkonsum in der prallen Sonne schlecht ist. Wenn du sonst auf Medikamente angewiesen bist, solltest du diese ebenfalls einstecken haben ;)
Ein guter Helfer gegen Sodbrennen (hat man ja auch nicht gerade selten bei fettem Essen und ner Palette Bier am Abend) ist übrigens Kaiser Natron, gibts zB bei dm und kostet nur um die 2€. Verträgt sich auch wieder gut mit dem nächsten Bier und man muss keine üblen Nebenwirkungen erwarten.


 Handcreme, Abschminktücher (selbst, wenn du ungeschminkt herum laufen solltest, es ist eine WOHLTAT, sich den Staub mal mit einem feuchten Tuch aus dem Gesicht wischen zu können), ein Duschgel (ob nun zum Händewaschen oder zum Baden im nahegelegen Fluss) und eine Gesichtscreme sind als Kosmetika auf einem Festival ebenfalls unabdingbar.


Lass deine Pradas und Ray Bans Zuhause, die haben auf einem Festival nichts zu suchen, erstens interessiert sich dort keiner für deine Designerbrille und zweitens, wenn wir mal ehrlich sind, waren sie wohl auch zu teuer um ihr trauriges Ende in einer Schlammpfütze auf einem Festivalgelände zu finden. Nimm dir ne Billigsonnenbrille mit, aber auch da ist es ratsam, auf guten UV Schutz zu achten. Für Kontaktlinsenträger sind Tageslinsen wohl die beste Option, man muss abends nicht mehr betrunken versuchen, die Linsen ordnungsgemäß und heil in ihren Behälter zu tun, sondern kann sie einfach rauspuhlen und wegwerfen. Aber dran denken - Brille mitnehmen, sonst sieht man abends nun wirklich nichts mehr wenn man vor der Bühne rumlungert.



Auf einem Festival ist es grundsätzlich scheiß egal, ob du geschminkt bist oder nicht. Aber wenn das tagelange Ungeschminktsein nichts für dich ist, überleg dir ein umkompliziertes Festival Make Up, was auch nach praller Sonne, zehn Bier und einer Dusche in eben diesem noch gut aussieht. Ich krieche ebenfalls niemals ungeschminkt aus meinem Zelt und habe mit den Jahren das perfekte Festival Make Up gefunden - bisschen Concealer gegen Augenringe, rote Sonnenflecke und Pickel, bisschen abpudern um nicht schon morgens wie ne Speckschwarte zu glänzen, Rouge ist für mich ein Muss, man sieht damit auch nach einer Stunde Schlaf gleich viel fitter aus und fühlt sich einfach wohler, meine Augenbrauen muss ich immer nachzeichnen, sonst fühle ich mich einfach nicht gut, ein ganz kleines bisschen weißer Kajal auf der Wasserlinie lässt die roten Suffaugen etwas weniger müde und verkatert erscheinen, grüner Eyeliner ums Auge neutralisiert das Rot ebenfalls nochmal und ein bisschen Mascara on top muss dann auch noch sein. Achja, einen Spiegel dabei zu haben, hilft beim Schminken ungemein ;)


 Weitere wichtige Dinge, die in deinem Rucksack einen Platz finden sollten, sind Klopapier (ich muss das nicht näher erläutern, oder? ;)), eine Taschenlampe (stell dir vor, du musst nachts pinkeln und findest den Weg zum nächstgelegenen Dixi aufgrund mangelnder Festivalbeleuchtung nicht....), Schere und ne Nagelfeile, passiert schließlich öfter, dass einem beim Zeltaufbau der Nagel einreißt. Ich rate dir inständig - NIMM DEIN SMARTPHONE NICHT MIT! Es wird mit großer Wahrscheinlichkeit eh geklaut, dein Akku ist leer, ehe die erste Band spielt und deine Instagram Follower werden dich nicht entfolgen, wenn du erst im Nachhinein Bilder postest...abgesehen davon ist eine handyfreie Zeit eine Wohltat für die Seele! Ich habe ein altes Gammelhandy dabei, für den Notfall, falls meine Familie mich dringend erreichen muss oder für den Fall, dass aus unserer Gruppe Leute nachkommen und nicht wissen, wo wir campen. Das wars dann aber auch, das Handy hat keine Kamera, keinen Internetzugang, keine Spiele, nix. Es ist wirklich ein tolles Gefühl, einfach mal ne Woche nicht erreichbar zu sein. 
Fürs Warten auf die Band, die du sehen willst, ist es nicht schlecht, ein Buch dabei zu haben, meistens kommt man eh nicht zum lesen, aber ein kleines dünnes Buch bei zu haben, kann nicht schaden.
Achja, Kondome. Versteht sich von selbst oder? Safer Sex und so, grad auf Festivals...
Last but not least - eine kleine Digi Cam dabei zu haben ist gar keine schlechte Idee, man erfreut sich noch jahrelang an den Bildern, auf denen man mit 3,8 im Turm in einer Schlammpfütze tanzt.


 Eine kleine Umhängetasche sorgt dafür, dass du jederzeit deine wichtigsten Sachen bei dir hast (dass du Portemonnaie, Handy, Kamera niemals allein im Zelt liegen lässt is klar oder?) Ach, lass deine Kreditkarten Zuhause, die brauchst du ganz sicher nicht. Wichtig is Cash Money, dein Perso und deine Krankenkassenkarte.


 Last but not least, ein Regenschirm ist nicht nur hilfreich gegen den einen standardmäßigen Unwettertag auf Festivals, sondern auch gegen zu viel Sonne. Mückenspray bewahrt dich zumindest zum Teil von schlaflosen Nächten durch Rumgekratze an Stichen.


Und nun zum anderen wichtigen Teil - was zieh ich an? In der Regel finden Festivals im Sommer statt und bringen eine Mörderhitze mit sich, darum ist es ratsam, so wenig wie möglich anzuhaben, aber praktisch sollte es trotz allem sein (ein Jumpsuit ist NICHT praktisch, wenn du plötzlich am Wegesrand pinkeln musst). Am besten eignen sich Shorts, ein Top oder kurze dünne Kleider. 


Es ist außerdem ratsam, einen Bikini dabeizuhaben sowie ein Handtuch, der nächste See oder Fluß kommt bestimmt und diese Abkühlung willst du unter keinen Umständen verpassen!


Zwei Paar Schuhe sind von Vorteil, ein festeres und wärmeres für Abends und schlechtes Wetter. Ein luftiges Paar für tagsüber. Ich greife seit Jahren auf meine alten Cowboyboots und diese Billigtreter von h&m zurück.
  
 Abends kühlt es oft mehr ab als man denkt und du solltest lieber eine Jacke mehr dabei haben als zu wenig. Ich habe für abends eine alte Jogginghose (nicht, dass ich jemals joggen war...) und einen Pullover dabei, dazu ne alte Lederjacke und ein Schal ist ebenfalls ein treuer Festivalbegleiter.



Schlafsack, Isomatte und Zelt solltest du ebenfalls dabeihaben ;)



Weitere Tipps und Utensilien - Gaffa!!!!! (man kann niemals genug Gaffa dabei haben, es geht IMMER was kaputt), ein Kissen (nichts ist schlimmer als den alkoholschwangeren Kopf auf einen Ast zu betten), Campingstuhl (ich bin echt zu alt, um tagelang im Schneidersitz aufm Boden zu gammeln), Planen und Pavillons gegen die Sonne, Müllsäcke, Ohropax (falls du geräuschempfindlich bist beim Schlafen - Nachteil: du hörst nicht, wenn jemand nachts ungebeten in dein Zelt kommt), Nägel lackieren - der Schmutz an deinen Händen fällt nicht mehr ganz so doll auf und du fühlst dich gleich sauberer ;) Und abschließend noch ein kleiner Tipp - es kommt durchaus vor, dass du nachts im Zelt liegst und dir denkst, was zur Hölle mache ich hier? Du hast Heimweh nach deinem Bett, deiner Wohnung und all den vertrauten Dingen - sprüh vor deiner Abreise deinen Schal mit Unmengen deines Lieblingsparfums ein, nachts daran zu schnuppern kann deine Seele retten!

Wenn du nun all das beachtest, kann einem grandiosen Festivalsommer nichts mehr im Weg stehen! Ich fahre Dienstag nach Polen, zum Woodstock und wenn du mich dort sehen solltest, sprich mich an und sag mir, was du von meinem Post hälst (oder erledige das doch gleich in der Kommentarfunktion)

Have fun!



25.07.14

Living: Interior Inspiration


Since we still need lots of time to get our new flat fully furnished and everything I'm not able to show you some pictures yet, but I love to search for inspirations on the web and thought it might be a nice idea to show them with you :) 

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Da wir nach wie vor noch ziemlich viel in unserer neuen Wohnung zu tun haben und auch noch kaum Möbel besitzen, in die man den Inhalt der sich stapelnden Kartons auspacken könnte, kann ich euch noch keine neuen Bilder zeigen. Bis es hier mal weiter vorrangeht, stöbere ich aber allzu gerne im Netz nach tollen Inspirationen was die Einrichtung und Gestaltung angeht, und da Inspirationsbilder immer was tolles sind, dachte ich, ich teile sie mal mit euch :)







 via Timticks


via  tumblr


via tumblr 










via Indulgy 












 My favorites are definitely the mini bar in the suitcase (I'm going to build one for us as well), the loft kitchen with the brick wall (I had a brick wall in my former flat and loved it...maybe I can stick some bricks onto the kitchen wall in here...? haha) and the lovely tiles around the sink. What are yours?

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Meine Favoriten sind definitiv die Kofferminibar - ich werde uns auch eine bauen, den Koffer hab ich schon, die Loftküche mit dieser wunderbaren Backsteinmauer - in meiner alten Wohnung hatte ich auch eine in der Küche und fand es so toll (vielleicht kann ich ja einfach ein paar Steine hier an die Wand kleben? :D) und die wunderschönen Fliesen um das Waschbecken....Was sind eure Favoriten?